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Seelenrein.

Donnerstag, 7. November 2013

"Wie gehts dir damit?", frag ich sie und sie blickt mich mit ihren großen dunklen Augen an, als sie zu gläsernen toten Höhlen werden. Dann laufen ihr die Tränen nur so die Wange herunter. Ich entschuldige mich bei ihr, denn das Letzte, was ich wollte, ist, sie zum Weinen zu bringen. Im Gegenteil, ich wollte mich nur mit ihr unterhalten. Schließlich haben wir uns schon sehr lange nicht gesehen.
Dann merke ich, dass sie wohl tatsächlich übersehen wurde. Dass sie bisher niemand ehrlich gefragt hat, wie es ihr geht, nach all dem, was sie durchgemacht hat.
Sie lächelt, aber der Tränenfluss bricht nicht ab. "Schon ok," sagt sie. "Man... verdrängt es."

Jetzt erst wird mir bewusst, wie oft man am Tag Menschen fragt, ob alles klar ist - nebensächlich und viel zu oft nur als Floskel. Manchmal sogar nur, um anschließend von sich selbst zu erzählen.
Sollte man nicht in der heutigen Zeit, in der wir eh alle schon mit zu vielen Problemen zu kämpfen haben, viel mehr aufeinander achten? Sollte man sich nicht viel öfter mal die Zeit nehmen, dem Anderen wirklich zuzuhören?
Meist sind wir so in unsere eigenen Probleme verstrickt, dass wir um uns herum nichts mehr wahrnehmen. Wir sind wie betäubt.

Da bin ich dankbar für diesen kurzen, wachen und auch sehr ernüchternden Moment, der vielleicht die Seele einer Kämpferin ein wenig erleichtert hat.

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